Seit August 2008 bin ich Besitzer eines eines -damals- nagelneuen Ford Focus CNG. Den ersten Bericht zu dem Fahrzeug kann man hier nachlesen:
http://masei1202.wordpress.com/2008/08/22/focus-cng-erster-bericht/trackback/
Vier Monate lief der Gaser wie am Schnürchen, bis es heuer zu einem Defekt am Fahrzeug kommt, der mir die Augen in Sachen „total verkomerzialisierte Ellenbogengesellschaft“ weit öffnet.
Wie alles kam:
Kurz entschlossen war zum Freitagnachmittag ein Besuch bei OBI in Augsburg anberaumt.
Wir, meine Frau und ich, sind leidenschaftliche Aquarianer, und in unserem unmittelbaren Umkreis sind entsprechende Händler mehr als rar.
Seit dem wir den Gaser fahren, müssen wir zum Glück nicht mehr all zu sehr auf die Treibstoffkosten für das Fahrzeug achten. So das solche Wegstrecken, wie diese nach Augsburg(55km), gern mal unter die Räder genommen werden.
Deß Weiteren zeichnet einen Erdgasfahrer aus, das er sich auf Grund des immer noch dünn besiedelten Tankstellennetzes meist schon vor Fahrtantritt mögliche CNG-Tankstellen heraussucht. An diesem Tag stand eine Araltankstelle in Augsburg auf den Plan.
Der Tank des Focus ist schon (planmäßig/regulär) vor der Ankunft an der Tankstelle leer.
Also ran an die Tanke, Pistole drauf, Zapfsäulenfreigabe kommt per Wechselsprechanlage vom Tankstellenpersonal. Start.
Diese Prozedur haben wir schon rund 35 mal hinter uns. Bis dato null Problem.
Die Zapfsäule drück sofort das Erdgas ohne Zwischenstop bis auf 15kg(mehr fassen die Tanks nicht) durch.
Das ist aber eigenartig, denke ich mir.
Denn normalerweise drückt die Zapfsäule bei den ersten Kilos einpaar mal an und lässt immer wieder nach. Diese hier nicht. Sie pumpt ohne anzuhalten stetig in Richtung 15kg.
Für den ersten Moment verdränge ich den Gedanken, dass hier etwas nicht stimmt.
Die Anzeige der Säule zeigt jetzt 13Kg.
Ein Geräusch begleitet den Tankvorgang.
NEIN es ist nicht das Geräusch das sich beim Betanken eines ziemlich leeren CNG-Tanks bildet, also kein Pfeifen und quieken, welches für so ein Fahrzeug normal ist.
Es entweicht Erdgas -meiner Meinung nach- aus dem Unter Flurtank.
Ich kann sehen, wie der Dreck unter dem Fahrzeug durch das entweichende Medium bewegt wird. Es entweicht also Erdgas.
Kurz darauf nimmt meine Nase den Geruch war. Eindeutig, es ist Erdgas.
SCHEISSE, was jetzt.
Die Zapfsäule hat es trotz Druckverlußt geschafft einen Rechnungsabschluß von 15kg zu erzeugen.
Mir SCHIESST ein Gedanke durch den Kopf: >>Erdgas + Sauerstoff +eine Zündquelle macht Bums <<
Alle weg vom Fahrzeug, schnell !!!
Ich informiere das Personal der Tankstelle und unterichte sie über die Gefahrenquelle.
Das Standlicht brennt noch am Fahrzeug und der Zündschlüssel steckt. Das Erdgas entweicht hörbar.
Momentan schätze ich das bald die Hälfte des Gases entwichen ist und sich eine Gasglocke um das Auto gebildet hat. Ich getraue mir nicht das Licht am Fahrzeug zu löschen. Ich hab heiden Angst, dass das Fahrzeug, was jetzt auch im Inneren stark nach Erdgas stinkt, durch eine Zündquelle abfackelt oder zumindest beschädigt wird.
Mein zweiter Telefonanruf gilt der Ford Assistance. Der Erste Anruf galt dem Händler, der das Fahrzeug verkauft hat.
Er gibt mir zu verstehen das er mir nicht helfen kann und übermittelt mir die Tel.-Nummer der F-A(Ford Assistance).
Der Dame am Telefon der F-A schildere ich penibel was passiert ist.
Also das beim und nach dem Betanken eines CNG-FAhrzeuges das Erdgas aus einem der Tanks entweicht.
Nach dieser Information fragt die F-A alle Daten des Fahrzeugs ab. Anschließend werden noch meine Daten(Fahrzeughalter) penibel übermittelt.
Sie gibt zu verstehen, dass das Fahrzeug abgeschleppt wird und sich die F-A um alles kümmert. Das Fahrzeug ist durch eine 4-jährige Flatrate abgesichert.
Ok, denk ich mir, erste Hilfe ist unterwegs.
Währen dessen riegelt meine Frau die Zapfsäule und die unmittelbare Umgebung um das havarierte Fahrzeug ab und macht ankommende Fahrzeuge auf die mögliche Gefahr aufmerksam.
Wir haben ziemlichen Schiss.
Es vergeht Zeit, beinahe eine Stunde. Kein Abschleppdienst. Keine Ahnung was hier passiert. Es ist allerdings Freitag Nachmittag. In Augsburg herrscht Nachmittags erhöhtes Verkehrsaufkommen.
Die erste angebotene Hilfe kommt von einem Beamten der Augsburger Stadtwerke, die das Erdgas an dieser Tankstelle bereitstellen. Der Mann ist freundlich und bietet sofort seine Hilfe an. Bei den Stadtwerken ist leider keiner mehr in der Werkstadt zu erreichen. Er versucht zu helfen wo er kann. Krabbelt sogar unters Auto. Ich gebe Ihm zu verstehen, dass das Fahrzeug unter Garantie steht und die Garantie bei anderweitiger Hilfeleistung eventuell erlischt.
Der Mann ist zugänglich. Er versteht meine Sorge. Wir unterhalten uns in der weiteren Zeit, in der wir auf den Abschleppdienst warten.
Ich erzähle im das Klagelied jedes Erdgasers: „Es gibt zu wenig Erdgastankstellen“.
Es stellt sich heraus das es sich um einen Beamten/Mitarbeiter handelt, der durchaus in Lage ist, an Entscheidungen mitzuwirken, wo im Einzugsgebiet von Augsburg zukünftig Erdgastankstellen entstehen werden. Sehr interessanter Kontakt. . .
Eine Stunde ist vergangen. Die Tankstelle erhält einen Anruf vom Abschleppunternehmen. Er sei in fünf Minuten da.
Mittlerweile macht uns die Kälte(-3 Grad) zu schaffen. Meine Frau friert.
Der Abschleppsienst ist endlich da. Bevor das ahrzeug aufgeladen wird frage ich den Kutscher:
„Rückfrage, Sie wurden von Ford gerufen und instruiert?“ Er zuckt mit den Schultern. Ich erkläre ihm „Fragen sie Bitte Ihre Einsatzleitung, wer den Auftrag erteilt hat und wer ihn bezahlen wird „. Er verschwindet im Führerhaus seines LKW’s. Kurze Zeit später gibt er zu verstehen „Ford Assistance hat den Auftrag gegeben, die Rechnung bekommt Ford“.
Während er den havarierten Focus CNG aufläd fragt er „Wo soll das Fahrzeug hin?“.
Ich bin ehrlich gesagt überrascht über diese Frage und stammele „nach Hause, dort wo ich das Fahrzeug gekauft habe, ich wohne dort gleich um die Ecke“.
Als er das Ziel anhand des Nummernschildes erkennt und im Kopf überschlägt, dass es sich hierbei um 55km handelt wiegelt er ab „das ist zu weit, wir bringen die Fahrzeuge immer zur nächstgelegenen Werkstatt des Fahrzeugherstellers“.
Zerknirscht willige ich ein.
Wichtig ist an der Stelle: Das Abschleppunternehmen hat von der F-A kein Ziel bekommen. Obwohl sie gewusst haben, dass es sich um eine CNG-Fahrzeug handelt. Ich bin also der Willkür des Abschleppunternehmens ausgesetzt.
Es folgt eine Odyssee, bei der die ersten zwei angefahrenen Fordwerstätten das Fahrzeug nicht entgegennehmen, da ihnen die Berechtigung und die Kenntnis für CNG-Anlagen fehlen. Eine weitere Rücksprache mit der F-A wird notwendig. Man versucht jetzt zu klären, wo denn das Fahrzeug hin soll.
Eine Werstatt (H uns S, Namen will ich nicht nennen) wird angegeben, diese soll zertifiziert sein an der Anlage zu arbeiten. Der Fahrer des Abschleppunternehmens ist sichtlich genervt, denn das neue Ziel liegt am anderen Ende der Stadt. Seine Gestiken deuten darauf hin, das dies das letzte Ziel ist und das er das Fahrzeug direkt dort abladen wird.
An dieser Stelle benötigte ich ein Ersatzfahrzeug, denn ich befinde mich rund 60km von meinem Wohnort entfernt. Mir wird ein verbeulter Nissan Micra angeboten. Als Alternative ein Leihwagen von Sixt(oder ähnlichem) oder ein Fahrzeug eines Automobilclubs. Die Alternativen erfordern Umstände die ich zu dem Zeitpunkt(meine Begleitung und ich sind durchgefroren und nervlich am Ende) nicht eingehen möchte.
Ich nehme frustriert den verbeulten Nissan Micra.
Das Fahrzeug entspricht weder meinem Status noch dem zur Reperatur gebrachten Fahrzeug und wirft ein weiteres schlechtes Licht auf den in meinen Augen mittlerweile ramponierten Service von Ford.
Ich habe den Nissan in meiner Garage eingeschlossen und versteckt, so dass Ihn ja keiner sehen kann.
Vier Tage später(es sind Feiertage dazwischen) erkennt man bei H und S, dass man nicht befähigt ist, das Fahrzeug Instand zu setzten. Die F-A wird ein weiteres mal bemüht und diesmal wird eine zertifizierte Werkstatt mit einem von CNG-MAinz geprüftem Gasmann beauftragt den Defekt zu beheben.
Mittlerweilehabe ich den Ford Kundenservice telefonisch und schriftlich über die Odysee und das heillose Durcheinander informiert. Ich bin Bluthochdruckpatzient. Es gab im Verlauf der Geschichte einige Tage, an denen nicht viel gefehlt hat und ich wäre explodiert.
Ich mache den Ford-Kundendienst unmissverständlcih klar das die Situation unhaltbar ist und einer Klärung bedarf. Beziehungsweise, dass ich von dem CNG-Fahrzeug Abstand nehmen möchte.
Auszug Korrespondenz
[...]Aber das Ford nicht in der Lage ist ein ebenbürtiges Ersatzfahrzeug zu verschaffen, ohne seine Kunden in einer fremden Stadt selber los zu schicken, das ist ein echtes Armutszeugnis.
Bis dato habe ich immer für Ford geworben, habe nie einen „o“-Ton über diese Marke verloren.
Seit gestern habe ich eine andere Meinung über Ford.
Ich bin schlichtweg enttäuscht.
Meine Forderung:
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Ich möchte den Ford Focus-CNG nicht weiter finanzieren. Mir ist das Risiko eines weiteren Zwischenfalls zu groß. Mir sind meine Familienmitglieder zu wichtig, um sie mit einer rollenden Bombe zu transportieren.
Ich möchte das Fahrzeug zurückgeben und möchte im Gegenzug ein Neufahrzeug selben Typs, gleicher Ausstattung , gleicher (Benzin)Motorisierung, zu den selben Konditionen, was die Finanzierung anbelangt. Und die restlose Ablösung der bestehenden Finanzierung
Sollte die Forderung in der Form nicht möglich sein, verlange ich eine angemessene Entschädigung für die entstandenen und noch entstehenden Unannehmlichkeiten die mit dem Defekt des Fahrzeugs in Verbindung gebracht werden. Man macht mir klar, das sie nicht auf die Forderung eingehen werden. Es benötigt einen oder weitere Defekte gleicher Art. Erst dann könne man sich einigen. Blutdruck 200 zu irgendwas.
Das Beste kommt zum Schluß:
Das Fahrzeug steht also mittlerweile bei einem Spezialisten in Augsburg. Die Spezialisten führen eine Druckprüfung durch. Bepinseln alle Leitungen und Anschlüsse mit einem dafür vorgesehenen Mittelchen. Fahren das Fahrzeug zum Tanken. Prüfen wieder. Fahren ein zweites mal Tanken(2 Personen) und können im Endeffekt den Fehler nicht reproduzieren.
Unglaublich.
Der Werkstattleiter schreibt eine Rechnung in der dokumentiert wird, dass es keinen Schaden gibt.
Die Rechnung beträgt 320 Euro. Er wendet sich an Ford, die die Rechnung begleichen sollen, doch die wiegeln ab.
„Es ist nichts defekt, also bezahlen wir auch nichts.“
Letztendlich bleibt die Rechnung an mir hängen.
Vielen dank, Ford!
Henry würde sich im Grabe umdrehen!
Vielen Dank an all die Autofahrer,Gas-Tanker, Mitarbeiter der Stadtwerke Augsburg, die mir unvermittelt ihrer Hilfe angeboten haben. Vielen Dank auch an das Personal der Araltankstelle in Augsburg(Adresse lass ich mal weg).